SOPS – Zeit, Abschied zu nehmen.
Liebe Vereine, liebe Stiftungen, liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, liebe Wegbegleiter, manche Entscheidungen trifft man spontan. Andere brauchen Jahre.
Unsere Entscheidung, SOPS – YOUR SOCIAL THING einzustellen, gehört zur zweiten Kategorie.
Wir treffen sie nicht aus Enttäuschung und auch nicht aus Resignation. Im Gegenteil: Nach vielen Jahren intensiver Arbeit treffen wir sie sehr bewusst, aufgeräumt und mit dem guten Gefühl, etwas versucht und umgesetzt zu haben, von dessen gesellschaftlichem Nutzen wir bis heute überzeugt sind.
Begonnen hat alles mit einer einfachen Idee.
Während der Corona-Zeit standen auch wir vor der Frage, wie wir mit vorhandenen personellen Kapazitäten, digitalem Know-how und der Erfahrung aus erfolgreichen Jahren umgehen wollten.
Unsere Antwort war ungewöhnlich:
Wir wollten etwas zurückgeben.
Wir wollten eine digitale Engagement- und Spendenplattform schaffen, die insbesondere kleinen und mittleren gemeinnützigen Vereinen und Stiftungen mehr Sichtbarkeit verschafft und ihnen einen zusätzlichen Zugang zu Spenderinnen, Spendern und engagierten Menschen ermöglicht.
Dabei galt von Beginn an ein klarer Grundsatz:
Die über SOPS vorgestellten Projekte sollten ihre Wirkung in Deutschland entfalten und die über die Plattform generierten Spendengelder hier eingesetzt werden.
Doch bevor wir programmierten, haben wir zugehört.
Rund 900 Vereine in ganz Deutschland wurden von uns telefonisch befragt: Was brauchen gemeinnützige Organisationen? Was erwarten sie von einer digitalen Plattform? Wo liegen ihre Probleme?
Parallel haben wir mehr als 800 Schülerinnen und Schüler, Studierende und junge Menschen gefragt, wie eine solche Plattform aussehen müsste, damit auch eine jüngere Generation für gesellschaftliches und ehrenamtliches Engagement erreicht werden kann.
Aus diesen Erkenntnissen entstand über viele Monate ein umfassendes Konzept.
Und dann haben wir gemacht.
Aus einer Idee wurde eine funktionierende Plattform.
Wir haben SOPS mit eigenem Personal, eigenem Know-how und überwiegend eigenen finanziellen Mitteln entwickelt.
Nicht, weil wir glaubten, alles besser zu wissen.
Sondern weil wir nicht wollten, dass eine gute Idee nach jahrelangen Antrags-, Prüfungs- und Entscheidungsprozessen irgendwann nur noch als Konzept in einer Schublade liegt.
SOPS ging online.
Die Plattform entwickelte sich weiter.
Anforderungen von Vereinen und Stiftungen wurden aufgenommen. Funktionen wurden ergänzt. Organisationen wurden bei der Erstellung ihrer Inhalte unterstützt. Wir waren auf Veranstaltungen, Messen, Symposien und Ehrenamtstagen unterwegs und haben immer wieder erklärt, wofür SOPS steht.
Heute sind knapp 500 gemeinnützige Vereine und Stiftungen Teil der Plattform.
Damit ist für uns eine entscheidende Frage beantwortet:
Die Idee funktioniert.
SOPS hat seinen Proof of Concept erbracht.
Und trotzdem reicht eine gute Idee allein nicht.
In den vergangenen Jahren haben wir sehr viele Gespräche geführt.
Mit Stiftungen. Mit Unternehmen. Mit öffentlichen Institutionen. Mit Ministerien. Mit möglichen Partnern und Förderern.
Wir haben viel Anerkennung erfahren.
Wir haben sehr häufig gehört, wie wichtig Digitalisierung für das Ehrenamt ist, wie notwendig mehr Sichtbarkeit für gemeinnützige Organisationen sei und wie wertvoll Plattformen wie SOPS für eine moderne Zivilgesellschaft sein können.
Für diese Wertschätzung sind wir dankbar.
Wir haben aber auch etwas gelernt:
Zwischen der gesellschaftlichen Anerkennung digitaler sozialer Infrastruktur und der Bereitschaft, diese Infrastruktur dauerhaft zu finanzieren, besteht noch immer eine erhebliche Lücke.
Digitale Infrastruktur hat einen zusätzlichen Nachteil: Ihre Wirkung lässt sich schwieriger fotografieren.
Ein gebauter Spielplatz ist sichtbar.
Eine gepflanzte Baumreihe ist sichtbar.
Eine Hilfsaktion produziert Bilder.
Eine digitale Infrastruktur, die im Hintergrund hunderten Organisationen Sichtbarkeit, Vernetzung und zusätzliche Möglichkeiten eröffnet, wirkt anders. Leiser. Dauerhafter. Aber für klassische Fördermechanismen häufig schwerer greifbar.
Hinzu kommt, dass SOPS bewusst viele Bereiche der Zivilgesellschaft miteinander verbindet. Soziales, Bildung, Umwelt, Kultur, Sport, Gesundheit, Integration und viele weitere gemeinnützige Zwecke finden auf einer gemeinsamen Plattform statt.
Was gesellschaftlich eine Stärke ist, wird in einer Förderlandschaft mit klar abgegrenzten Fördertöpfen schnell zum Problem:
Wer vieles miteinander verbindet, passt häufig in keine einzelne Schublade.
Wir haben diese Lücke lange selbst geschlossen.
Entwicklung, Betrieb, technische Weiterentwicklung, Administration, Kommunikation und ein erheblicher Teil der laufenden Kosten wurden über Jahre von uns getragen.
Eine wichtige Unterstützung erhielten wir im Rahmen des Programms „100xDigital“ der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt. Dafür sind wir ausdrücklich dankbar.
Eine dauerhafte Anschlussfinanzierung für den Betrieb der entstandenen Infrastruktur konnte daraus jedoch nicht entwickelt werden.
Wir haben anschließend weitergemacht.
Weil wir an SOPS glaubten.
Aber Gemeinnützigkeit darf aus unserer Sicht nicht bedeuten, dass gesellschaftlich gewünschte Infrastruktur dauerhaft aus privaten Mitteln einzelner Menschen finanziert werden muss.
Und irgendwann gehört zu sozialem Unternehmertum auch eine unternehmerische Entscheidung.
Diesen Punkt haben wir jetzt erreicht.
Nach langer und sehr sorgfältiger Abwägung haben wir entschieden, SOPS – YOUR SOCIAL THING geordnet einzustellen und die dahinterstehende Gesellschaft aufzulösen.
Diese Entscheidung fühlt sich für uns nicht wie eine Niederlage an.
Denn wir haben etwas getan, das uns von Beginn an wichtig war:
Wir haben nicht nur darüber gesprochen. Wir haben es gemacht.
Wir haben gefragt.
Wir haben entwickelt.
Wir haben investiert.
Wir haben ausprobiert.
Wir haben verbessert.
Wir haben über Jahre betrieben.
Und wir haben gezeigt, dass die Idee einer niedrigschwelligen digitalen Engagement- und Spendenplattform für gemeinnützige Organisationen funktionieren kann.
Knapp 500 Vereine und Stiftungen sind dafür der beste Beleg.
Vielleicht war die Zeit für ein dauerhaft finanziertes Modell dieser Art noch nicht gekommen.
Vielleicht werden digitale Infrastrukturen für die Zivilgesellschaft in einigen Jahren anders bewertet als heute.
Wir sind sogar sicher, dass sie künftig unverzichtbar sein werden.
Aber wir haben für uns entschieden, dass wir nicht weitere Jahre darauf warten und die dafür notwendigen Kosten weiterhin privat tragen können und wollen.
Deshalb sagen wir Danke.
Danke an jeden Verein und jede Stiftung, die SOPS ihr Vertrauen geschenkt haben.
Danke an alle Menschen, die über die Plattform gespendet, sich engagiert oder Projekte entdeckt haben.
Danke an unsere Partner und Unterstützer.
Danke an die Menschen, die SOPS entwickelt, programmiert, gestaltet, betreut und über all die Jahre begleitet haben.
Und auch Danke an diejenigen, die uns kritisch begegnet sind. Denn auch daraus haben wir gelernt.
Wir gehen deshalb nicht enttäuscht.
Wir gehen mit einer Erfahrung, die uns niemand nehmen kann.
Und mit einer Überzeugung, die geblieben ist:
Gesellschaftlicher Fortschritt entsteht nicht dadurch, dass man nur über gute Ideen spricht. Irgendwann muss jemand anfangen, sie umzusetzen.
Wir haben angefangen.
Wir haben SOPS aufgebaut.
Wir haben gezeigt, dass es funktionieren kann.
Und jetzt ist für uns der richtige Zeitpunkt gekommen, dieses Kapitel zu schließen.
Mit Dankbarkeit für das Erreichte und mit großer Anerkennung für all diejenigen, die sich jeden Tag ehrenamtlich und gemeinnützig für unsere Gesellschaft einsetzen.
Macht weiter. Es lohnt sich.
Antonia und Frank von Fraunberg
für das Team von
SOPS – YOUR SOCIAL THING